Bewegte Leiber

Es wird hereingekarrt, am Gabelstapler hängend, das Pferd. Ein mächtiger Leib, seltsam fremd, mehr Material als tote Masse eines Lebewesens. Dunkelrot, durchzogen von Muskeln und Sehnen, aufgeschlitzt vom Unterkiefer bis zum Schweif. Der Kopf baumelt lose und mit kastanienbraunen Fell bedeckt. Das Maul ist leicht geöffnet. Man möchte die Hand ausstrecken und die weichen Nüstern berühren, den warmen Atem spüren. Aber das ist nur ein flüchtiger Gedanke.

Denn das einstige Pferd ist Grundstoff der Performance, Teil eines Prozesses, der sich eineinhalb Stunden hinzieht. Die Klinge gleitet durch das Fleisch, durch zahlreiche Mikrofone verstärkt, hört man das Reißen von Haut und Fasern. Eine Säge zerteilt das Skelett. Einem Ritual gleich und in der stoischen Ruhe von Bühnentechnikern arbeiten sich die beiden Männer voran. Teil für Teil des Leibes fällt zu Boden, wird an Ketten aufgehängt und ausgestellt. In weiße Farbe getaucht, bepinselt und übergossen wird der Körper zum Kunstobjekt. Pures Design. Glatt polierte Oberfläche. Farbe tropft zu Boden, wo einst Blut war.

Parallel dazu läuft eine Videoprojektion. Ein lebendiger Körper in unendlich vielen Pixeln neben dem toten, maschinell bewegten Leib.

Spannend, aber nicht schockierend. Die Frage, ob dies zeitgemäß oder doch zu sehr im 70er Jahre-Happening-Aktionismus hängen geblieben ist, bleibt.

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„Erst Schlachthof, dann Fetisch und ein bisschen Artyfarcy“

„Eklig, der Gestank des Fleisches“

„Ich hab gar nichts gerochen, hab immer darauf gewartet. Schade, dass er die Schmerzgrenze und die Schockmomente nur über die Geräusche und Klänge erzeugen konnte.“

„Klar gab es auch die inhaltliche Ebene: Oblaten als Symbol für den Leib Christi, das abendländische Bild des Opferns und der Schmerzen.“