Bumm!

Unzählige Bundeswehrpritschen als Bühne, darüber spannt sich ein riesiges Gaze-Tuch, als Zeltersatz, das aus Brandschutzgründen nicht an einem geschlossenen Aufführungsort aufgebaut werden hätte dürfen. Hunger & Seide proben den Ernstfall. Was wäre wenn…

 

Wie steht es um die Katastrophentauglichkeit unserer Gesellschaft?

Ich glaube, dass wir total Angst haben, obwohl wir in einem der reichsten Länder überhaupt leben. Es werden ständig Maßnahmen geschaffen, um uns scheinbare Sicherheit zu geben. Dieses Denken hält uns davon ab, wirklich entscheidenden Fragen nachzugehen.

 

Wie habt ihr euch mit diesem Thema auseinandergesetzt?

Wir proben immer sehr lange, diesmal etwa zehn Wochen lang. Uns interessieren keine Messages, sondern die Erforschung einer Geschichte. Anfangs recherchieren wir ganz viel und sortieren dann nach und nach wieder aus. Bei „Bumm! Der Ernstfall“ haben wir viele Informationen von Andreas Hensel, Mitbegründer des Münchner Kriseninterventionsteams, erhalten, wie die Situation in Notlagern überhaupt ist. Schnell wurde uns klar, dass wir nicht das persönliche, menschliche Drama nachspielen, da dies nur anmaßend wäre. Vielmehr haben wir als Performer versucht, eine Recherche zu machen, eine Notunterkunft durch zu deklinieren.

 

Zum Beispiel?

Diese Vorgänge haben viel mit Zeit zu tun. Man hat ja plötzlich nichts mehr zu tun, es gibt nichts mehr. Was bleibt vom Menschen, wenn er nichts mehr hat? Mit diesem Gedanken haben wir angefangen.

 

Welche Art von Katastrophe ist in euren Köpfen passiert?

Wir denken nicht an eine Naturkatastrophe, sondern an den Zusammenbruch des Wirtschaftssystems. Welche Katastrophe genau passiert sein könnte, lassen wir bewusst offen. Natürlich waren wir aber sehr beeinflusst von den Bildern von Fukushima oder 9/11, da dies Katastrophen in der Ersten Welt waren, also vergleichbar mit unserer Gesellschaft und mit ihren technischen Errungenschaften.

 

Sie beschäftigen sich viel mit urbanen Raum. Inwiefern spielt dieses Thema eine Rolle in ihrem Stück?

Urbaner Raum bedeutet für mich, wie Menschen heute soziografisch miteinander umgehen und sich verhalten in modernen, großstädtischen Zusammenhängen. Letztlich sind dabei die vielen Notfallbestimmungen interessant. Wir haben sogar mal überlegt, ob wir uns konkret mit den Sicherheitsbestimmungen der Muffathalle beschäftigen. Gibt es einen Notfallplan? Wie ist es, wenn in München alles zusammenbrechen würde? Wir haben uns mit den Plänen der letzten Fußballweltmeisterschaft auseinandergesetzt. Wie ist es, eine Million Leute zu organisieren?