Und du? Bist du jemals auf der Bühne gestorben?

Treffen ein Choreograf und ein Philosoph zusammen, so entsteht eine Reflexion über gefakte Bühnensituationen, die Theatermaschinerie hinter dem Zauber einer Aufführung, die Unmöglichkeit des gespielten Sterbens – zumindest bei Philip Bergmann und Andrea Spreafico.

„Show“ behandelt die verschiedenen Bestandteile einer Tanzperformance. Könnt ihr das genauer erklären?

AS Im Mittelpunkt steht die Maschinerie einer Vorstellung und die materiellen Teile der Bühne. Aus dieser Bühnensituation entwickeln die Tänzer ihre Performance, auf der Basis von Trieben, Wünschen und Emotionen. Das dramaturgische Motiv ist der wiederholte Auf- und Abbau der Bühnensituation.

PB Es gibt nichts, was nicht schon vorher im Raum ist. Wir haben die Performance reduziert auf vier Tanzteppiche, Klebeband, fünf Scheinwerfer und eine Stereoanlage. Die Klänge und Sounds werden nur durch das Bewegen im Raum generiert – durch die Verbalisierung der Tänzer und der Dramaturgie. In diesem Fall haben wir uns entschieden, den Tod auf der Bühne darzustellen. Man kann nicht auf der Bühne sterben, es ist etwas Gefaktes.

AS Für diese Thematik benutzen wir das französische Lied „Ich möchte gerne auf der Bühne sterben“ – darin wird über die Liebe zur Bühne gesungen. Die Sängerin nennt sogar all diese Bestandteile. Daraus haben wir unsere Elemente genommen.

PB Bei der akustischen Ebene ist alles live. Der Musiker Thomas Meadowcroft nimmt während der Performance Elemente auf, macht die Entwicklungen der Maschinerie hörbar und am Ende erfolgt eine Art Mini-Konzert.

Welche Rolle spielt der Tänzerkörper und die Choreografie in dieser Maschinerie?

PB Die Choreografie besteht nur aus wenigem Material und entstammt einem Solo, das einer der Tänzer entwickelte aus der Frage „Bist du schon einmal auf der Bühne gestorben?“. Es gibt kaum Einflussnahme von uns beiden, wir haben zwar die Tänzer geleitet und die Choreografie an den Raum anpassen müssen, aber sonst ist sie zu 99% von ihnen.

AS Die Schritte sind von den Tänzern!

Und was ist mit dem ‚Wunsch der Tänzer nach Fiktion‘?

AS Wir wollen einen Zaubertrick zeigen und gleichzeitig, wie er funktioniert. Dem Publikum soll die ganze Performance hinweg bewusst sein, dass sie einen bestimmten Blick haben auf die Maschinerie. Dass diese nur funktioniert, wenn der Scheinwerfer leuchtet oder das Tape an dieser Stelle klebt. Die Maschinerie ist durchsichtig.

PB Durchsichtig… das ist ein gutes Wort dafür.

AS Die Leidenschaft ist es, die die Maschinerie wie Öl antreibt.

Wie kam es zu eurer Zusammenarbeit?

PB Das ist eine intuitive Zufallsgeschichte. Wir kennen uns schon etwa zehn Jahre, da seine Freundin und ich damals am Staatstheater in Nürnberg getanzt haben. Und der Wunsch, Choreografie von einer anderen Seite aus zu denken, hat uns zusammengebracht. Als wir uns dann das erste mal in Norwegen getroffen haben, ging es ziemlich schnell, dass wir uns verständigt haben und in wenigen Tagen ein Grundkonzept erarbeiten konnten.

AS Frankenstein-Monster…

PB Am Anfang gab es die Idee, das Monster zu kreieren, wie Frankenstein. Dann war aber schnell klar, dass uns das auf eine falsche Fährte führen würde und wir eine veraltete Geschichte daraufstülpen würden, was man aber gar nicht braucht. Man kann gut mit wenig, viel erreichen.

AS Es ging sehr schnell. Nach zwei Tagen kam uns schon die Idee, erstmal alles zu zerlegen.

PB Am Anfang des Stücks sieht man erstmal die ganzen Elemente: Der aufgerollte Tanzteppich, Scheinwerfer, Stereoanlage… Wie eine Ausstellung. Die Zuschauer kommen von hinten auf die Bühne und schauen sich erstmal die Einzelteile an.